Alle Lieder & Tonspuren

Album / Was ich noch sagen wollte · 2026

Noch da

Trauer hängt an Duschgel, Kissen und einer Tasse, während das Loslassen in kleinen, alltäglichen Handlungen beginnt.

VersionOriginal— · — · Liedtext vorhanden
Abstimmung demnächst verfügbar.

Lyrics

Verse 1

Dein Kopfkissen liegt noch auf deiner Seite, leicht eingedrückt, genau dort, wo du lagst. Ich hab’s seit Tagen nicht mal ausgeschüttelt, als wär die Delle irgendeine letzte Form von dir, die ich kaputtmach, wenn ich sie glattstreich.

Im Bad steht noch dein Duschgel, halb voll, Deckel offen, wie immer. Und manchmal riecht der ganze Raum nach dir, nur für zwei Sekunden – doch zwei Sekunden reichen, damit aus heute wieder gestern wird.

Deine Tasse steht noch hinten im Schrank, die mit dem kleinen Sprung am Rand. Ich könnte sie nehmen, könnte alles neu sortieren – aber gerade fühlt sich jedes Aufräumen ein bisschen an wie aufgeben.

Pre-Hook

Deine Nummer steht noch offen im Chat, unten blinkt der Cursor seit Tagen. Ich schreib drei Wörter. Lösch vier. Schreib wieder deinen Namen.

Dann sperr ich das Handy.

Als könnte Schweigen noch irgendwas bewahren.

Hook 1

Du bist weg. Und alles von dir ist noch da. Dein Geruch im Bad, dein Kissen neben mir, dein Glas noch auf dem Tisch vom letzten Mal.

Und ich hätte noch so viel zu sagen, so viel, das damals irgendwo stecken blieb. Doch kein Satz der Welt dreht diese Tür noch einmal um.

Du bist weg. Und ich begreif es nur langsam:

Du kommst nicht zurück.

Verse 2

Gestern war der Wasserkocher kaputt. Nur Kalk am Boden, nichts Besonderes. Und trotzdem hatte ich schon dein Fenster offen, wollte schreiben: „Du wusstest doch immer, wie das geht.“

Hab’s gelesen. Gelöscht.

Weil selbst ich gemerkt hab, dass es nie um diesen Wasserkocher ging.

Ich such nur Gründe, die klein genug aussehen, damit ich nicht zugeben muss, dass ich eigentlich nur wissen will, ob du mir noch antworten würdest.

Im Flur ist jetzt dieser freie Haken, wo immer deine Jacke hing. Komisch, wie wenig Platz etwas braucht, um plötzlich überall zu fehlen.

Und manchmal hör ich Schritte im Stiegenhaus, seh schon zur Tür, bevor mein Kopf überhaupt versteht, was da gerade mit mir passiert.

Wie schnell Hoffnung die Treppe hochrennt, bevor die Vernunft überhaupt fragt, ob da noch jemand kommen kann.

Hook 2

Du bist weg. Und langsam reicht mir nicht mehr, dass deine Sachen noch hier sind.

Dein Geruch wird schwächer, dein Kissen wird kalt, und selbst dein Glas sieht irgendwann nur noch aus wie ein Glas.

Ich könnte dir noch alles erklären, könnte endlich sagen, warum ich manches nicht gezeigt hab.

Aber selbst wenn du jedes Wort verstehen würdest – du wärst danach noch immer weg.

Und vielleicht tut genau das am meisten weh.

Verse 3

Heute war dein Duschgel fast leer.

Ich stand davor und hab tatsächlich überlegt, ob ich dasselbe noch einmal kaufen soll.

Nur für diesen Geruch.

Nur damit morgens im Bad noch irgendein Teil von mir glauben kann, du hättest einfach vergessen, ein neues mitzunehmen.

Dann musste ich fast lachen.

Nicht weil’s lustig war.

Eher weil man irgendwann merkt, wie absurd Trauer werden kann, wenn sie sich an deinem Duschgel festhält.

An einer Tasse. An einem Kissen. An Dingen, die gar nicht wissen, was sie einmal bedeutet haben.

Deine Zahnbürste hab ich gestern weggeworfen. Danach fünf Minuten in den Mistkübel geschaut.

Als hätte ich gerade eine Entscheidung getroffen, die du noch bemerken könntest.

Die Tasse steht noch da.

Das Kissen auch.

Nicht alles auf einmal.

Ich bin noch nicht so weit.

Bridge – gesprochen, leise

Vielleicht …

vielleicht ist das der Punkt.

Ich könnte dir noch alles erklären.

Jeden Fehler. Jede Angst. Jedes Wort, das damals gefehlt hat.

Und vielleicht würdest du es sogar verstehen.

Aber du wärst trotzdem nicht mehr hier.

Pause – nur Atem, Instrumental stehen lassen

Final Hook

Du bist weg.

Und ich lass langsam los, was noch da war.

Nicht dich auf einmal. Nur Stück für Stück.

Heute die Zahnbürste. Morgen vielleicht das Glas. Irgendwann riecht das Bad einfach wieder nur nach mir.

Und ich werde noch Sätze haben, die du niemals hören wirst.

Aber vielleicht müssen sie nicht mehr bei dir ankommen.

Vielleicht reicht irgendwann, dass ich selbst verstehe, was ich damals nicht sagen konnte.

Du bist weg.

Und zum ersten Mal versuch ich nicht mehr, einen Satz zu finden, der daran etwas ändert.

Outro

Also räum ich heute dein Duschgel weg.

Nur das Kissen …

das bleibt noch eine Nacht.

Zurück zu den Liedern