Warum nicht ich
Ein Bild von ihrem neuen Glück löst Vergleiche aus und legt den Wunsch frei, als Mensch gewählt zu werden.
Lyrics
Intro
Ich wollte nur kurz sehen, ob es dir gut geht.
Das war zumindest die Ausrede.
Dann seh ich deine Hand in seiner.
Und wünschte, ich hätte nicht nachgesehen.
Verse 1
Du stehst irgendwo am Meer, sein Arm liegt um dich rum.
Du lachst auf diese Art, die ich sofort erkannt hab.
Darunter Herzen. „Ihr zwei.“ „Endlich.“ „So schön zusammen.“
Ich weiß, Instagram ist kein Beweis.
Und trotzdem bleib ich hängen.
Zoom in sein Gesicht, als gäbe es irgendwo eine Stelle, an der man erkennen kann:
Das hat er besser gemacht.
Ist er leichter als ich? Fragt er weniger nach? Kommt er einfach zu dir, wenn ich noch überlegt hab, ob ich stör?
Hat er keine Angst davor, zu viel zu sein?
Oder hat er einfach nie gelernt, dass Nähe etwas ist, das man verlieren kann?
Pre-Chorus
Vielleicht zeigt dieses Bild nur fünf Sekunden Glück.
Aber ich kenn deinen Blick.
Und genau das macht es schwer.
Chorus
Warum er und nicht ich?
Was sieht dein Herz in ihm, das es bei mir nicht sah?
Warum wirkt Liebe bei euch leicht und bei uns irgendwann wie Arbeit?
Ich weiß, mein Wert hängt nicht daran.
Das kann ich mir hundertmal sagen.
Aber ich will nicht nur wissen, dass ich wertvoll bin.
Ich will für jemanden der Mensch sein,
den er nicht verlieren will.
Verse 2
Später geh ich nach Hause.
An der Ampel küsst sich ein Paar, ohne vorher zu überlegen, wer zuerst näherkommt.
Vor dem Restaurant liegt ihr Kopf auf seiner Schulter.
So selbstverständlich, als hätte niemand Angst, dass der andere irgendwann sagt:
„Das ist mir zu viel.“
Und ich merk, wie mein Kopf wieder anfängt.
Ist er wärmer? Mutiger? Einfacher?
Muss man bei ihm nicht erst durch drei verschlossene Türen, bis man merkt, dass da jemand wartet?
Vielleicht war ich oft schwer zu lesen.
Vielleicht hab ich Nähe gewollt und gleichzeitig so getan, als bräuchte ich sie nicht.
Vielleicht kann jemand anderes einfach sagen:
„Komm her.“
Während ich noch überlege, ob ich darf.
Chorus
Warum er und nicht ich?
Was sieht dein Herz in ihm, das es bei mir nicht sah?
Warum wirkt Liebe bei euch leicht und bei uns irgendwann wie Arbeit?
Ich weiß, mein Wert hängt nicht daran.
Das kann ich mir hundertmal sagen.
Aber ich will nicht nur wissen, dass ich wertvoll bin.
Ich will für jemanden der Mensch sein,
den er nicht verlieren will.
Verse 3
Zu Hause ist es still.
Auf dem Tisch liegen Dinge, auf die ich einmal stolz war.
Abschlüsse. Pläne. Noch irgendein Ziel.
Alles okay.
Nur nichts davon fragt, warum ich heute so still bin.
Und vielleicht hab ich genau das zu lange verwechselt:
gebraucht werden und gemeint sein.
Ich kann viel tragen.
Kann Probleme lösen. Kann funktionieren, wenn andere längst müde sind.
Aber ich möchte irgendwann nicht wegen dem fehlen, was ich tue.
Sondern weil ein Abend ohne mich anders klingt.
Weil jemand meine Stimme vermisst.
Meine Hand.
Den Unsinn, den ich erzähle, wenn ich eigentlich müde bin.
Einfach mich.
Nicht meine beste Version.
Mich.
Bridge
Und vielleicht ist das die Wahrheit hinter der Frage:
„Warum er und nicht ich?“
Vielleicht geht es gar nicht um ihn.
Nicht wirklich.
Vielleicht sehe ich dich glücklich und plötzlich steht alles wieder da, wovor ich mich seit Jahren fürchte:
Dass man mich mögen kann.
Achten.
Brauchen.
Vielleicht sogar lieben.
Und sich am Ende trotzdem gegen mich entscheiden.
Ich weiß, dass das meinen Wert nicht bestimmt.
Aber Gefühle sind manchmal schlecht in solchen Unterscheidungen.
Final Chorus
Warum er und nicht ich?
Vielleicht gibt es darauf gar keine Antwort.
Vielleicht fehlt ihm nichts, was mir fehlt.
Vielleicht war er einfach der Mensch zur richtigen Zeit.
Und ich war es nicht.
Ich weiß, mein Wert hängt nicht daran.
Heute glaub ich das sogar ein bisschen.
Doch ich will trotzdem einmal für jemanden der Mensch sein,
bei dem die Suche aufhört.
Nicht weil ich perfekt bin.
Nicht weil niemand Besseres existiert.
Sondern weil einer mich kennt
und trotzdem sagt:
„Von allen—
dich.“
Outro
Ich schließe Instagram.
Leg das Handy mit dem Display nach unten.
Draußen geht ein Paar vorbei.
Ich seh diesmal nicht hin.
Die Frage ist noch da.
Nur etwas leiser:
Warum nicht ich?
Und vielleicht kommt irgendwann jemand,
bei dem ich sie nicht mehr stellen muss.
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