Weniger als null
Der schmerzhafte Gedanke, gegen das Alleinsein verloren zu haben, und die verzweifelte Rechnung, die daraus über den eigenen Wert entsteht.
Lyrics
Intro
Kein Streit. Keine Lüge. Kein anderer Mann. Du wolltest nur nicht mehr mit mir sein. Und dafür finde ich keinen Grund, außer mir.
Part 1
Wir haben keine Türen zugeschlagen, keine Gläser an die Wand, keine Nächte voller Vorwürfe, kein Gift in deiner Hand. Keinen Betrug, kein großes Drama, keine Schuld, die offen lag, nur dein Blick, der mir erklärte, dass dein Herz mich nicht mehr mag. Du sagtest, da ist niemand, und ich wusste, dass das stimmt. Kein fremder Mann im Hintergrund, der meinen Platz jetzt übernimmt. Fast wär mir ein anderer lieber, denn dann könnt ich es versteh’n: Er wär wärmer, schöner, näher – und deshalb müsstest du geh’n. Ich könnte mich vergleichen, könnte finden, was mir fehlt, doch du hast nicht ihn gewählt – du hast nur mich nicht mehr gewählt. Kein Mensch war besser als ich, niemand nahm mir meinen Platz. Offenbar war selbst die Leere noch ein besserer Ersatz.
Pre-Hook
Wenn kein anderer gewonnen hat und niemand mich ersetzt, dann war Alleinsein für dich besser als ein Leben hier mit mir.
Hook
Weniger als null, denn da war niemand nach mir. Du hast nicht ihn gewählt – du hast ein Leben ohne mich gewählt. Weniger als null, nicht verloren im Vergleich. Keiner musste besser sein, meine Abwesenheit hat dir gereicht. Ich wär lieber nur der Zweite, lieber knapp nicht gut genug. Doch du brauchtest keinen Besseren – nur den Mut für einen Schluss. Wenn ein leerer Platz dir Frieden bringt, mehr als meine Nähe kann, dann war ich nicht zu wenig. Dann war ich weniger als null für dich.
Part 2
Ich geh jedes unsrer Jahre durch und suche den Konflikt, irgendeine klare Szene, die das Ende rückwärts erklärt. Doch ich finde nur Gespräche, Alltag, Nähe, keinen Krach, keinen Abend, der aus Liebe plötzlich Abneigung gemacht hat. Vielleicht stritten wir zu wenig, vielleicht sagte keiner was. Vielleicht war die ruhige Oberfläche längst ein sinkendes Glas. Vielleicht warst du schon Monate innerlich von mir entfernt, während ich in deinem Schweigen noch ein sicheres Zuhause fand. Ein Betrug hätte verletzt, doch wenigstens wär er konkret. Eine Lüge hätte einen Punkt, an dem man sich verliert. Doch du gingst ohne Täter, ohne Namen, ohne Schuld und ließest mir als Erklärung nur den Zweifel an meinem Wert.
Hook – repeat
Part 3
Alle sagen: „Liebe endet, ohne dass dein Wert daran zerbricht.“ Doch sie kennen diese Rechnung und die letzte Zeile nicht. Wenn ein anderer dir mehr gibt, hab ich einen Kampf verlor’n. Doch ich verlor gegen die Ruhe hinter einer leeren Tür. Gegen Morgen ohne Nachrichten, gegen Nächte ohne uns, gegen einen freien Stuhl und gegen nichts als deinen Wunsch. Und ich weiß, Gefühle lassen sich nicht fordern und verdien’n, doch ich kann darin kein anderes Urteil über mich mehr seh’n. Denn du kanntest meine Schwächen, meine Ängste, mein Gesicht. Du hast alles von mir gesehen – und am Ende wolltest du es nicht. Nicht wegen eines Fehlers, nicht weil jemand Besseres kam. Einfach weil ein Leben ohne mich sich richtiger für dich anfühlt als mit mir.
Bridge – gesprochen
Ich wünschte, es gäbe einen anderen. Dann könnte ich sagen: Er hatte etwas, das mir fehlte. Aber da war niemand. Nur du. Ich. Und deine Entscheidung, dass gar nichts zwischen uns besser ist als wir.
Final Hook
Weniger als null, weil kein anderer nötig war. Kein Gesicht, auf das ich zeigen kann, kein Grund, der vor mir lag. Weniger als null, weil du gar nichts mehr verlangt hast. Nur ein Leben ohne meine Nähe, ohne alles, was ich mitbrachte. Ich wär lieber eine falsche Wahl, lieber einer, den man tauscht. Doch du hast mich nicht ersetzt – du hast mich aus deinem Leben rausgenommen. Und vielleicht ist das nur Schmerz, der diese Rechnung in mir schreibt. Doch heute fühlt es sich so an, als wäre selbst niemand mehr als ich.
Outro
Kein Streit. Kein Betrug. Kein anderer Mann. Nur du, die auch allein sein konnte. Und ich, der seitdem glaubt, weniger als null gewesen zu sein.
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